Die Belrem-Sage oder "Die Hochzeit zu Tübingen"

 

Es war um das Jahr 1230 als der junge Belrem von Weißenstein , aus dem heiligen Land zurückkam, in das er mit Kaiser Friedrich II. gezogen war. Doch wie bekümmert, verschlossen und lebenssatt kehrte er zurück.

 

Eines Tages bekam er eine Einladung des Pfalzgrafen Wilhelm von Tübingen zur Hochzeit seiner Tochter. Aber auch das fröhliche Treiben der Feier konnte ihn nicht erheitern. Er saß mit Konrad von Vaihingen, der unheimlich und jähzornig war, und

den man den Wehrwolf nannte, in einer Ecke und sie waren dem Weine über Maßen zugeneigt.

 

Als neue Gäste eintrafen wurde Belrem leichenblass. Es war der tot geglaubte Ritter Volbert von Poltringen und seine Braut Zuleima, die in Rom zum christlichen Glauben übergetreten war. Sie erkannte Belrem ebenfalls, schrie auf und viel in Ohnmacht. Kreuzritter Volbert stellte Belrem vor der ganzen Gesellschaft zur Rede über seine Schandtaten im Heiligen Land. Beide zogen augenblicklich ihre Schwerter. Im Getümmel konnte aber Belrem und Konrad in den Wald bei Tübingen fliehen. Dort erzählte Belrem dem Konrad seine Geschichte: Wie auch er sich in Zuleima verliebt habe, sie aber nichts von ihm wissen wollte und Volbert vorzog. Da sei er rasend vor Eifersucht geworden und habe eine Hexe beauftragt die beiden zu vergiften, was aber fehlgeschlagen sei. Nun wolle er wegen der Schmach vor allen Leuten, blutige Rache nehmen. Da überfielen Belrem und Konrad die beiden Liebenden auf ihrem Heimweg und töteten sie.

 

Belrem kehrte auf seine Burg in Weißenstein zurück, konnte aber keine Ruhe finden und verschwand für einige Jahre. Nach seiner Rückkehr zog eines Nachts ein schweres Gewitter herauf und Belrem stieg auf den hohen Burgturm hinauf. Im Aufleuchten eines Blitzes meinte er die geliebte und ermordete Zuleima zu sehen, und beim Versuch ihr zu folgen stürzte er sich von Burgturm in den Tod.

 

Noch heute soll in Gewitternächten in der Ruine der Burg, die klagenden Töne einer Menschenstimme zu vernehmen, und eine hohe unheimliche Gestalt erblickt worden sein.

 

Unsere Kurzfassung der „Hochzeit von Tübingen“ von G. A. Lotthammer 1835, bearbeitet von belrem.de/pa 2016.